Musical „Cabaret“: Marlene Jubelius ist die Sally Bowles, Johannes Krimmel der Clifford Bradshaw
Mit „Cabaret“ ist im Sommer ein hochaktuelles Musical bei den Gandersheimer Domfestspielen zu sehen. Premiere ist am 4. Juli. Vor der Stiftskirche werden großartige Choreographien zu sehen und unvergessliche Songs wie „Mein Herr“, „Maybe This Time“ oder „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ zu hören sein. Regisseur ist Intendant Achim Lenz. „Cabaret“ erzählt von der nicht wahrnehmbaren Veränderung der Gesellschaft durch die Faschisten. „Wir reiben uns die Augen und es ist zu spät: schon marschieren wir im Gleichtakt der Unterdrücker mit“, beschreibt Lenz. Die Hauptrolle der Sally Bowles wird von Marlene Jubelius gespielt. Als Clifford Bradshaw ist Johannes Krimmel zu sehen. Als Conferencier feiert Hagen-Goar Bornmann Premiere in Bad Gandersheim.
„Es ist mein Anliegen als Intendant gerade in diesen Zeiten des zunehmenden Extremismus in beiden politischen Lagern in Deutschland den warnenden Finger zu heben“, sagt Achim Lenz. „Und das mit all den Mitteln, die uns als Theatermacher zur Verfügung stehen: Verwirrung, Emotionen, Grenzüberschreitungen, musikalische Exzesse, Tanzorgien, Sprechtiraden und eine unvergessliche Ausstattung, welche sich am berühmten Film mit Liza Minelli orientiert.“ Während die Berliner Straßen 1931 schon von den Märschen der Braunhemden und deren Parolen erfüllt sind, ist im verrucht-verrauchten Nachtlokal die dekadente Welt noch in Ordnung. Willkommen im Cabaret, singt der Conferencier im „Kit Kat Klub“, wo man mit grell aufreizenden Darbietungen zu verdrängen versucht, was sich in Deutschland politisch zusammenbraut. Der Amerikaner Cliff erlebt hautnah die Veränderungen in der Gesellschaft und verliebt sich in die Tänzerin Sally Bowles, die Hauptattraktion im Cabaret.
Marlene Jubelius kehrt nach vier Jahren vor die Stiftskirche zurück. Sie spielte 2021 das Gretchen in „Faust“ und verkörperte die Rolle der Tess im Musical „Flashdance“. Unmittelbar danach war sie als Kit Kat Girl in „Cabaret“ am Staatstheater Kassel engagiert, die Sally Bowles in dem Musical spielt sie aber jetzt erstmals. „Das ist eine Traumrolle für mich“, sagt Marlene Jubelius. Die große Herausforderung bestehe darin, bei dieser bereits von vielen bekannten Künstlerinnen gespielten Rolle nichts zu kopieren, sondern eine eigene Sally Bowles zu kreieren, erzählt sie. Die „rotzfreche“ Tänzerin sei ein Freigeist gewesen und habe sich nicht an gesellschaftliche Konventionen gehalten. „Hier Gemeinsamkeiten, aber auch andere Facetten zu entdecken, ist ja eigentlich immer das Spannende in unserem Beruf“, da entdecke man sich selbst manchmal nochmal auf andere Weise, sagt Marlene Jubelius. Die Komplexität der Rolle mit ihren herrlichen Jazz- und Blues-Songs darzustellen, werde ihr viel Spaß machen.
Johannes Krimmel verkörpert mit Clifford Bradshaw seine erste Hauptrolle in Bad Gandersheim. „Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe, aber auch eine riesige Vorfreude darauf, mich dieser neuen Herausforderung zu stellen“, sagt der Darsteller, der im vergangenen Festspielsommer Samuel Ratchett und Oberst Arbuthnot in „Mord im Orient-Expess“ sowie den Ted Hinton im Musical „Bonnie & Clyde“ gespielt hat und vielen auch noch als Little John im Familienstück „Robin Hood“ oder Freddy Eynsford-Hill im Musical „My Fair Lady“ 2023 in Erinnerung ist. „Clifford ist eine spannende Figur, besonders reizvoll finde ich seine Zerrissenheit – zwischen seiner Liebe zu Sally Bowles, seinem künstlerischen Anspruch und der Erkenntnis, dass die Realität nicht so unbeschwert ist, wie sie scheint“, erzählt Johannes Krimmel. Die Herausforderung werde darin bestehen, Cliffords innere Entwicklung und seinen zunehmenden Realitätsveränderung authentisch darzustellen.
Die Rolle der „Fräulein Schneider“ spielt Tabea Scholz. Für sie gibt es auf der Bühne ein Wiedersehen mit Kevin Dickmann, der den jüdischen „Herr Schultz“ darstellt, in den sich „Fräulein Schneider“ in einer schwierigen Zeit verliebt. Vergangenes Jahr spielten beide Darsteller im „Mord im Orient- Express“. „Angesichts der aktuellen politischen Lage, in der wir wieder einen starken Rechtsruck und ein heftiges Erstarken der Rechtsextremisten in Deutschland und weltweit erleben, finde ich es eine besondere und wichtige Aufgabe, gerade heute dieses Stück zu spielen, in dem sich viele der Probleme widerspiegeln, die uns auch jetzt als Gesellschaft beschäftigen und herausfordern und daran erinnern, in welche Finsternis die Welt gelangen kann, wenn wir die Demokratie, die Menschenrechte und die Würde eines jeden einzelnen Lebewesens aus den Augen verlieren und diese nicht mehr geschützt und bewahrt werden“, sagt Tabea Scholz. In den Proben auszuloten, wie und warum manche Menschen ihre eigenen Werte verraten und sich gegen die Liebe entscheiden, werde eine sehr spannende Aufgabe für sie werden, erzählt die gebürtige Northeimerin.
Die Choreografien in „Cabaret“ werden von Dominik Müller kommen. Er habe einen Luftsprung gemacht, als er erfahren habe, die Tanzszenen eines seiner Lieblingsmusicals gestalten zu dürfen, erzählt der Darsteller, der außerdem für „Ein Sommernachtstraum“ und erneut bei der Wiederaufnahme von „1984“ in Bad Gandersheim sein wird. „Die Musik ist wahnsinnig treibend, lässt choreografisch sehr viel zu, gerade in den Clubnummern der Hauptrolle Sally Bowles“, sagt Dominik Müller, dem sehr schnelle und kraftvolle Choreografien vorschweben, die sich aber erst im Laufe des Abends gemeinsam mit der Geschichte zur vollen Stärke entwickeln.
Das Musical „Cabaret“ von Joe Masteroff (Buch), John Kander (Musik) und Fred Ebb (Gesangstexte) nach den „Berlin Stories“ von Christopher Isherwood war zuletzt 2013 in Bad Gandersheim zu sehen.
Marlene Jubelius, Johannes Krimmel.
Fotos: Sascha Wünsch, Alex Kleis