Ein frisch erzähltes, magisches Märchen mit dem Team Pinocchio

Die berühmteste Holzpuppe der Welt erwacht in diesem Sommer vor der Stiftskirche zum Leben, möchte ein „richtiger Junge“ werden: Pinocchio. Voller Neugier, Abenteuerlust und manchmal auch ziemlich ungestüm macht er sich ab 14. Juni im diesjährigen Kinder- und Familienstück der Gandersheimer Domfestspiele auf den Weg, die Welt zu entdecken. Die Autorinnen Sarah Speiser und Jennifer Traum erzählen die klassische Geschichte frisch, humorvoll und berührend für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die eigens komponierte Live-Musik von Ferdinand von Seebach macht die von Franziska Detrez inszenierten Abenteuer von Pinocchio zu einem mitreißenden Erlebnis voller Fantasie und Emotion. Die Ausstattung von Sandra Becker wird Einiges bereithalten, um die Magie von Pinocchios Welt auf die Bühne zu zaubern. In der Hauptrolle spielt Stephan Luethy, zum „Team Pinocchio“ gehören u.a. die beim Gandersheimer Publikum ebenso bekannten wie beliebten Tim Müller, Stefan Stara, Eva Paulina Loska, Emily Seubert und Sven Olaf Denkinger. Neu dabei ist Valerija Laubach, sie spielt Gepetto.

Als sehr magisch und märchenhaft-fantasievoll beschreibt Regisseurin Franziska Detrez die Geschichte von Pinocchio. Ein Stück, das Jung und Alt gleichermaßen verzaubert und daran erinnert, dass man manchmal auch Umwege gehen muss, um seinen eigenen Weg zu finden. In ihrer Inszenierung soll es um den Wunsch Pinocchios gehen, ein „richtiger Junge“ zu werden – um das Dazu-Gehören, auch wenn man anders ist, erzählt Franziska Detrez, die zum zweiten Mal in Bad Gandersheim das Kinderstück inszeniert. Wie kann Pinocchio ein „echter Junge“ sein, wenn er aussieht wie eine Puppe? Geht es überhaupt darum, genauso auszusehen wie die anderen Kinder? Oder sind es nicht eher andere Eigenschaften, die ihn zu einem echten Menschen machen? Erst mit der Zeit lernt Pinocchio, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen und für die Folgen für ihn selbst und für andere einzustehen. „Das ist etwas, das alle Kinder lernen müssen und das auch Erwachsenen manchmal noch schwer fällt“, sagt die Regisseurin.

Eine konkrete Herausforderung der Freilichttheater-Inszenierung wird sein, die magischen Momente darzustellen: eine Marionette wird zum Leben erweckt, auf der Vergnügungsinsel werden Kinder in Esel verwandelt, die Figuren werden allesamt von einem Wal verschluckt und wieder ausgespuckt. Und dann ist da natürlich Pinocchios Nase! Franziska Detrez: „Da haben wir bereits ein paar Ideen, aber die werden natürlich nicht vor der Premiere verraten!“

Hauptdarsteller Stephan Luethy freut sich auf seinen mittlerweile siebten Theatersommer in Bad Gandersheim, diesmal als Pinocchio. „Es ist natürlich immer eine besondere Herausforderung, eine ikonische Rolle zu spielen, die alle kennen und von der alle ein Bild haben, wie sie zu sein hat“, sagt der Schweizer. Andererseits sei es spannend, altbekannte Figuren und Geschichten neu zu beleuchten und zu ergründen. Er freut sich sehr auf die Entdeckungsreise und die Suche nach der gemeinsamen Vision des Pinocchio von Autorinnen, Regisseurin, Ausstattung und Schauspieler; auf den modernen, frischen Zugang zu der Geschichte und einer aktuellen Botschaft, die weit über das „Du sollst nicht lügen“ hinausgeht. Eines erfülle ihn mit ganz besonderer Vorfreude, sagt Stephan Luethy: „Durch die jahrelange Zusammenarbeit kennen wir uns sehr gut und die beiden Autorinnen schreiben mir die Rolle des Pinocchio auf den Leib – wie wunderbar ist das denn bitte?!“

Valerija Laubach, die in Bad Gandersheim auch in der Krimikomödie „Die acht Frauen“ dabei ist, spielt die Rolle des Gepetto. Den kennen die meisten als Pinocchios Vater, den Holzschnitzer. In der Gandersheimer Version ist Geppetto eine Frau: Pinocchios Mutter, die Holzschnitzerin. „Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mag, macht es aber doch wahnsinnig spannend“, erzählt Valerija Laubach. „Natürlich geht es in erster Linie um Pinocchio und seine Erfahrungen und Abenteuer –für mich aber eben auch um die Geschichte einer Frau, die sich sehnlich ein Kind wünscht und ihm die Liebe einer Mutter schenken möchte.“

Ihre Ausbildung zur Schauspielerin und Sängerin hat Valerija Laubach im Jahr 2012 an der Universität der Künste in Berlin mit Diplom abgeschlossen. 2025 wurde sie für den Deutschen Musicaltheaterpreis als beste Darstellerin in einer Nebenrolle für die Rolle der Stiefmutter Dora bei den Brüder-Grimm-Festspielen Hanau in der Produktion „Hänsel und Gretel“ nominiert; und sie stand zwei Mal im Fokus des Hamburger Rolf-Mares-Theaterpreises: 2024 mit der Produktion „Der Tod und das Mädchen“ im kleinen Hoftheater sowie 2025 mit der Zarah-Leander-Soloabend-Produktion des „Theater das Zimmer“: „Zarah 47 – das totale Lied“.

Die Gandersheimer Domfestspiele bieten für die Schulvorstellung von „Pinocchio“ am 18. Juni um 10 Uhr eine live gesprochene Audiodeskription für Sehbehinderte und Blinde an, bei der über Kopfhörer erzählt wird, was auf der Bühne passiert. Wer den kostenlosen Service der Audiodeskription in Anspruch nehmen möchte, sollte sich rechtzeitig in der Kartenzentrale melden und sein Ticket sichern.

Auch in diesem Jahr gibt es für das Kinder- und Familienstück einen Malwettbewerb: Kinder vom Kindergartenalter bis zur 6. Klasse können ihrer Phantasie freien Lauf lassen und bis zum 22. Juni Bilder einreichen, welche die Handlung von „Pinocchio“ besonders kreativ und künstlerisch interessant umsetzen. Mehr hier.