Das Ensemble des Theatersommers willkommen geheißen

Ein wenig war’s wetterbedingt wie „Freitags im Zelt“ beim Begrüßungsfest, als die Schauspielerinnen und Schauspieler das erste Mal in dieser 67. Spielzeit diesmal im Kulturhof vor ihr Publikum traten. Intendant Achim Lenz begrüßte die Besucher, Moderator Philipp Kohn (Regieassistent „Hello, Dolly“) präsentierte das 20-köpfige darstellende Ensemble künstlerisch, darunter viele bekannte und manche neue Gesichter. Alle hatten einen Song für ihr Publikum vorbereitet – von Zarah Leanders „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ über Pinks „Dear Mr. President“ bis zu „Imagine“ von John Lennon reichte die musikalische Bandbreite. Offiziell wurde das Festspielensemble zuvor im Kaisersaal von der Stadt Bad Gandersheim und der Gandersheimer Domfestspiele gGmbH willkommen geheißen.

„Diese Stadt nimmt ihre Domfestspiele nicht einfach zur Kenntnis“, sagte Bürgermeister Niklas Kielhorn. „Sie lebt sie. Die Stadt wird Bühne, und die Bühne wird für einige Wochen ein Stück Stadt.“ Denn bei der Schauspieler-Begrüßung heiße man Menschen willkommen, die hier arbeiten, einkaufen, Kaffee trinken und durch die Straßen gehen. Das sei für Bad Gandersheim besonders: „Sie bringen etwas mit, was man nicht bauen, nicht beschließen und nicht einfach bestellen kann: Sie bringen Verwandlung mit.“ Das Ensemble stehe dabei in einer Tradition, zeige frische Spielfreude vor alte Mauern, sagte der Bürgermeister. „Wer hier spielt, spielt nicht vor einem neutralen Hintergrund, wer hier auftritt, tritt vor Steine, die länger hier sind als wir alle.“

Pastor Thomas Ehgart machte als Vertreter der Stiftskirchengemeinde dem Ensemble ein Angebot. Alle seien in der großen Kirche nicht allein willkommen, wenn sie zum Auftritt durch den Kirchenraum gehen. Die Darsteller dürften auch den Innenhof des Martin-Luther-Hauses als Rückzugsort ebenso nutzen wie vielleicht als weiteren Bühnenplatz. Und wer über Gott und die Welt sprechen wolle, der sei bei ihm auch herzlich willkommen.

Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Schwarz begrüßte das Team auf, hinter und neben der Bühne in Bad Gandersheim, insgesamt seien das wieder knapp 100 Menschen, sagte er. Darunter seien nicht nur viele vertraute Gesichter, sondern auch neue und in diesem Jahr deutlich mehr Frauen. Das werde noch beim Roswitharing spannend, scherzte Schwarz. Einige Neuerungen bei Tribüne, Bühne, Catering, Marketing und im Probenzentrum erwarte die Besucher.

„Ich wünsche mir für diesen Sommer einen Ort, an dem beides möglich ist: Große künstlerische Freiheit – und große menschliche Verlässlichkeit“, sagte Intendant Achim Lenz. Während der Ton härter werde und so vieles auseinander drifte, versammele das Theater Abend für Abend wildfremde Menschen, Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Sorgen, Hoffnungen, politischen Meinungen und Lebensrealitäten, die plötzlich nebeneinander sitzen und gemeinsam schweigen, lachen, den Atem anhalten.

Theater trage die Verantwortung, Räume zu schaffen, in denen Menschen wieder fühlen könnten, in denen Zweifel erlaubt seien – „Räume, in denen Fantasie stärker wird als Angst“, formulierte es der Intendant. Die Freiheit der Kunst sei keine Nebensache, sie sei Fundament. „Kunst muss frei bleiben“, forderte Achim Lenz. „Frei zu widersprechen, frei zu träumen, frei zu scheitern, frei unbequem zu sein.“ Freiheit bedeute aber auch Verantwortung. Für ein Publikum, das Vertrauen schenke. Und er als Intendant wolle das explizit in Bad Gandersheim, Verantwortung übernehmen. Die Gandersheimer Domfestspiele sollten ein Ort sein, an dem man sich gegenseitig stärke, ein Ort, an dem man Fehler machen dürfe, ein Ort, an dem niemand Angst haben müsse, allein zu sein, sondern aufgefangen werde, sagte der Intendant.

Theater entstehe nie allein, es entstehe zwischen Menschen, zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum. Für diesen Sommer wünscht sich Lenz ein echtes Miteinander im Ensemble. „Denn wir verbringen in den kommenden Monaten nicht einfach nur Arbeitszeit zusammen. Wir teilen einen Sommer unseres Lebens.“ Theater sei vergänglich, weil nichts daran konserviert werden könne, jeder Abend werde neu geboren. Ein Sommer wie dieser werde niemals wieder genauso stattfinden. „Vielleicht ist genau das die Magie der Domfestspiele“, sagt Lenz. „Hier entstehen nicht nur Produktionen. Hier entstehen Erinnerungen. Freundschaften. Geschichten fürs Leben.“

Achim Lenz: „Menschen kommen im Sommer zu uns, weil sie etwas suchen. Vielleicht Ablenkung. Vielleicht Trost. Vielleicht Hoffnung. Vielleicht einfach einen Abend, an dem sie wieder lachen können.“ Menschen glücklich zu machen, sei keine Nebensache, nichts Kleines, eine zutiefst menschliche Aufgabe, richtete sich der Intendant an sein Ensemble. „Wenn nach einer Vorstellung jemand leichter nach Hause geht als er gekommen ist – dann haben wir etwas bewirkt. Wenn jemand wieder Mut empfindet. Wenn jemand sich weniger allein fühlt. Wenn jemand plötzlich wieder staunen kann. Dann war dieser Abend wichtig.“

Intendant Achim Lenz begrüßte im historischen Kaisersaal das Ensemble des Theatersommers. Foto: Gandersheimer Domfestspiele gGmbH / Frank Bertram

Valerija Laubach sang im Kaisersaal „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ von Zarah Leander. Foto: Gandersheimer Domfestspiele gGmbH / Frank Bertram

Lukas Baeskow ist einer der Beatles, beim Begrüßungsfest sang er „Der letzte Tanz“ aus dem Muscial „Elisabeth“.  Foto: Gandersheimer Domfestspiele gGmbH / Frank Bertram

Dominik Müller fragte mit Claire Waldoff „Wer schmeißt denn hier mit Lehm?“. Foto: Gandersheimer Domfestspiele gGmbH / Frank Bertram